Barrierefreiheit im E-Mail-Marketing: Pflicht, Kür oder einfach gesunder Menschenverstand?
Barrierefreiheit ist eines dieser Themen, die man erstaunlich lange erfolgreich vor sich herschieben kann. Bis man merkt: Ups, das betrifft ja auch uns. Und unsere E-Mails. Und unsere Newsletter. Und eigentlich fast alles Digitale.
Wenn du dich mit Barrierefreiheit beschäftigst, landest du schnell bei Gesetzen, Richtlinien, WCAG-Versionen und technischen Details. Du kannst daraus eine komplexe Grossbaustelle machen. Oder du fragst dich pragmatisch:
Was bedeutet Barrierefreiheit konkret für unser E-Mail-Marketing? Was sollten wir realistisch tun?
Genau darum geht es in diesem Artikel.
Kurz zur Einordnung: Warum das Thema jetzt Fahrt aufnimmt
Spätestens seit dem EU Accessibility Act 2025 (EAA) ist klar: In der EU ist Barrierefreiheit Pflicht, und diese betrifft auch Schweizer Unternehmen, wenn sie …
● Produkte oder Dienstleistungen in der EU anbieten
● EU-Bürger:innen ansprechen
● internationale Plattformen oder Tools verwenden
Falls dies auf deine Firma nicht zutrifft, kannst du dich beruhigt zurücklehnen. Oder du setzt dich trotzdem mit dem Thema auseinander, ganz einfach, weil barrierefreie E-Mails bessere E-Mails sind.
Sie sind verständlicher, klarer, besser strukturiert und damit für alle Empfänger:innen angenehmer zu lesen.
Was Barrierefreiheit im E-Mail-Marketing bedeutet
Barrierefreiheit hilft nicht nur einer kleinen Gruppe von Menschen, sondern oft auch deiner Kernzielgruppe.
Barrierefreiheit heisst vor allem:
Inhalte sind lesbar
Inhalte sind verständlich
Inhalte sind bedienbar
Und zwar unabhängig davon, ob jemand:
einen Screenreader nutzt
schlecht sieht
motorische Einschränkungen hat
die Mail auf dem Handy in der Sonne liest
oder schlicht müde Augen am Montagmorgen hat
Unsere pragmatische Sicht: Die 5 wichtigsten Hebel
Statt langer Checklisten konzentrieren wir uns im Alltag auf ein paar Punkte, die viel Wirkung bei überschaubarem Aufwand bringen.
1. Klare Struktur schlägt kreatives Chaos
Eine klare Überschriften-Hierarchie (eine Hauptüberschrift, danach Untertitel, die den Text logisch strukturieren)
Sinnvolle Absätze statt Textbandwürmer
Ein roter Faden, der auch ohne Bilder funktioniert
Wenn deine E-Mail linear gelesen Sinn ergibt, bist du auf dem richtigen Weg.
2. Links, die sagen, wohin sie führen
„Hier klicken“ ist zwar kurz und knackig, aber leider ziemlich nutzlos.
Besser sind Links wie:
„Webinar zur Marketing-Automation ansehen“
„Checkliste herunterladen“
„Termin vereinbaren“
Das hilft Screenreadern. Und ganz nebenbei auch allen anderen.
3. Bilder sind Ergänzung, nicht Inhaltsträger
Wichtige Informationen gehören immer in Textform in die E-Mail
Bilder dürfen unterstützen, zusätzliche Erklärungen liefern oder emotionalisieren
Alternativtexte (ALT-Texte) sind kein Luxus, sondern Pflicht
Faustregel: Wenn jemand die Bilder nicht sieht, muss die Botschaft trotzdem ankommen.
4. Kontraste, die nicht nur Designer: innen mögen
Hellgrau auf Weiss sieht vielleicht schick aus, ist aber kaum lesbar.
Gute Kontraste sorgen dafür, dass:
Texte schneller erfasst werden
Buttons auch im Dark Mode funktionieren
niemand die Augen zusammenkneifen muss
Du kannst das als Barrierefreiheit betrachten. Oder einfach als Mut zur Klarheit.
5. Buttons, die man auch wirklich klicken kann
Gross genug
Genug Abstand zu anderen Elementen
Als Button erkennbar auch ohne Bilder
Gerade auf mobilen Geräten ist das entscheidend für die Nutzbarkeit.
Muss jetzt jede E-Mail perfekt barrierefrei sein?
Nein. Und das ist wichtig zu sagen.
Barrierefreiheit ist kein Schalter („an/aus“), sondern ein Prozess, der nach und nach bewusst verbessert:
Neue Templates gleich sauber aufsetzen
Bestehende Templates Schritt für Schritt optimieren
Checklisten nutzen, statt alles neu zu erfinden
Wer heute damit anfängt, ist morgen schon besser unterwegs als viele andere.
Barrierefreiheit und Tools: Kein Hexenwerk
Die gute Nachricht: Die meisten modernen E-Mail-Tools (wie zum Beispiel Brevo) bieten bereits eine solide Basis. Aber du musst sie auch nutzen.
Zum Beispiel:
Überschriften-Module (Formatvorlagen) nutzen statt „fett gemachter Text“
Preheader sinnvoll füllen
E-Mail-Ansichten in verschiedenen Mail-Clients testen. Und vor allem auch auf dem Mobilephone
Technik hilft. Denken bleibt trotzdem nötig.
Unser Fazit: Barrierefreiheit gehört zum guten Marketing
Wie zuvor erwähnt sind barrierefreie E-Mails verständlicher, klarer, nutzerfreundlicher und oft performanter. Und du zeigst damit generell Respekt gegenüber deiner Zielgruppe.
Oder anders gesagt: Wenn deine E-Mail für möglichst viele Menschen gut funktioniert, machst du schon vieles richtig.
Weiterführende Ressourcen & Inspiration
Wenn du tiefer einsteigen möchtest (oder musst), findest du hier sehr gute Inhalte:
AZ Direct: Barrierefreiheit in der digitalen Werbung
Emailtooltester: Barrierefreie E-Mails
Brevo: Barrierefreie Newsletter
World Business Network: Make emails accessible under new EU law